Eintrag vom 16. November 2021

„Als Journalisten sollten wir immer die Übersetzer sein“

ORF Steiermark Chefredakteur Wolfgang Schaller über 1 Jahr Nachrichten in einfacher Sprache

Seit 4. Dezember 2020 gestaltet das inklusive Redaktionsteam den Wochenrückblick in einfacher Sprache für Radio Steiermark. Zu hören ist er jeden Freitag um 18.30 Uhr. Welche Aha-Erlebnisse er dabei hatte und warum er ihn nicht missen möchte – das und mehr erzählte Chefredakteur Wolfgang Schaller.

Wolfgang Schaller vom ORF im Interview

Interview: Pascal Resetarits, Fotos: Denise Rabitsch

Seit einem Jahr sendet Radio Steiermark Freitag abends den Wochenrückblick in einfacher Sprache. Wie wird er angenommen? Und wie ist Ihr persönliches Resümee?

Ich habe nur Positives gehört und das ist auch mein ganz persönlicher Eindruck. Es ist ein tolles Projekt, das sich sehr gut entwickelt hat. Von den Kollegen kommt oft zurück, dass die Meldungen in einfacher Sprache wie ein Aha-Erlebnis sind: „Aha, so einfach könnten wir das auch formulieren.“ Viel zu oft übernehmen wir Formulierungen von Agenturen, die wir und auch die Hörer eigentlich nie verwenden würden. 

Wie finden Sie ihn? Haben Sie Änderungswünsche?

Aktuell nicht, nein. Wir von der Redaktion sind sehr glücklich, dass wir diese Kooperation eingegangen sind. Es läuft von Anfang an sehr gut und das Level wurde gehalten. Der Rückblick ist ein wichtiger Bestandteil in unserem Sender. Ich möchte ihn nicht missen.

Warum ist es Ihnen wichtig, Nachrichten in einfacher Sprache zu senden?

Wir verwenden oft Ausdrücke, ohne zu wissen, worum es geht. Nachrichten, für die man einen Uniabschluss braucht, um sie zu verstehen, sind nicht mein Ziel. Man soll sich auch als Nicht-Mediziner seriös über Corona unterhalten können.

Zugang zu Information ist notwendig, um sich eine eigene und unabhängige Meinung bilden zu können. Wie versuchen Sie, Menschen für Nachrichten zu begeistern?

„Sind wir mit diesem Thema bei den Menschen?“ Diese Frage stellen wir uns bei der täglichen Redaktionssitzung. Leser*innen, Hörer*innen, Seher*innen und User*innen sollen eine Botschaft mitnehmen. Wir sollten als Journalisten immer Übersetzer von Themen sein.

Der ORF hat einen Bildungs-Auftrag. Sind die „Inklusiven Nachrichten“ ein wichtiger Teil davon?

Auf jeden Fall. Ich muss sagen, wir haben es ja nur ermöglicht. Ihr liefert die großartige Arbeit. An diesem positiven Beispiel zeigt sich, wie sehr wir voneinander profitieren können. 

Wenn Sie über die Zusammenarbeit eine Botschaft in die Welt schicken könnten: Welche wäre das?

Man kann gegenseitig ganz viel voneinander lernen. Es ist uns ein Anliegen, als Gesellschaft gemeinsam gesehen zu werden. Da gehören alle dazu. Es ist mein Wunsch, dass wir einmal soweit sind, dass wir nicht mehr über Beeinträchtigung reden. Jeder Mensch hat seine Stärken und soll seinen Platz in der Arbeitswelt haben. Die bunter werdende Gesellschaft soll sich auch bei uns im ORF abbilden. Das wird eine Aufgabe für die Zukunft sein. Wir sind ein Radiosender, der für alle da ist.