Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben?


Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn es um die gemeinsame Neugestaltung der Standorte Söding und Casalgasse geht. Ein Interview mit Susanne Maurer-Aldrian über neue Wege zu einem guten Leben.


Interview: Sabine Ettema

Wie kam es dazu, bei den Bauvorhaben in Söding und in der Casalgasse einen neuen Weg einzuschlagen?

Wir haben uns dazu entschieden, Inklusion nicht nur einzufordern, sondern sie auch aktiv in unsere Tätigkeiten einfließen zu lassen. Was für eine Chance also, dass gerade jetzt diese beiden Standorte adaptiert werden müssen! Die Gelegenheit des Umbaus unserer Häuser nutzen wir, indem wir Kund*innen genauso in die Neuplanung einbeziehen wie Mitarbeiter*innen, Nachbar*innen oder mögliche zukünftige Bewohner*innen. Diese beiden Standorte sollen in einem kooperativen Planungsprozess zu inklusiven Lebensräumen werden.

Was soll am Ende herauskommen?

In diesem Prozess darf geträumt und grenzenlos gedacht werden! Grundsätzlich ist also alles offen. Beide Orte haben andere Gegebenheiten und Stärken, die vermutlich zu anderen Lösungen führen werden. Söding ist der erste Standort der Lebenshilfe in Österreich und hat eine lange Geschichte. Er ist eingebettet in Wald und Wiesen. Dies bringt andere Chancen als die Casalgasse. Sie ist wesentlich jünger, ist näher an der Nachbarschaft und unweit der Stadt. Beide Orte bieten jetzt ein Wohnhaus und ein Tageszentrum für Senior*innen. Mit wem wir diese Orte in Zukunft teilen werden, wissen wir heute noch nicht.

Fest steht jedoch: An diesen Orten, soll in Zukunft gemeinsam gewohnt, gespielt, gearbeitet … einfach gut gelebt werden.

Von wem werdet ihr bei diesem neuartigen Prozess unterstützt?

Innerhalb der Lebenshilfe wurden eine Steuerungsgruppe sowie jeweils ein Kernteam für die Casalgasse und Söding aufgestellt. Für die Projektleitung haben wir lange gesucht. Mit dem StadtLABOR, mit Barbara Hammerl und Elisabeth Oswald, haben wir kompetente Partnerinnen gefunden. Sie haben schon mehrfach kooperative Entwicklungsprojekte durchgeführt – wir können von ihnen lernen (und sie in punkto Inklusion auch ein bisschen von uns).

Gibt es schon eine ungefähre Zeitplanung?

In den letzten Wochen hat das StadtLABOR schon Gespräche mit Menschen rund um unsere Standorte geführt und viele Qualitäten herausgefiltert. Jetzt nehmen wir uns Zeit zu tüfteln. Im April wird es für jeden Standort eine eigene Ideenwerkstatt geben. Dort kommen potenzielle künftige Bewohner*innen, Anrainer*innen, Menschen der Lebenshilfe und weitere Ideengeber*innen zusammen und erarbeiten, was an diesen Standorten entstehen kann.  Erst dann überlegen wir uns, welche Vorschläge realisierbar sind und wie wir sie umsetzen wollen. 2022 möchten wir dann erste Pläne einreichen. Danach wird gebaut.

Was wäre dein Wunsch für dieses Projekt?

Ich wünsche mir, dass ein gutes Leben dort möglich ist, dass alle sein können. Das funktioniert hoffentlich genau dann, wenn alle, die das wollen, von Anfang an mit eingebunden sind.